The Weekend Magazine

by Tomeci Press Publications

Graphic reading “Inclusivity vs. Identity?” with KU Leuven Catholic identity and Quran sung at opening

Die belgische Abgeordnete iranischer Herkunft Darya Safai reagierte in den sozialen Medien, nachdem bei der Eröffnungszeremonie des akademischen Jahres an der Katholischen Universität Löwen Verse aus dem Koran gesungen worden waren. Sie hält es für problematisch, religiöse Texte als Symbol der Inklusion darzustellen, wenn bestimmte Verse den Werten der individuellen Freiheit und Gleichheit widersprechen. Die Universität hat sich dazu bislang nicht geäußert.

(Redaktion: Belgien / Bildung & Gesellschaft)

Die Katholische Universität Löwen (KU Leuven), eine der ältesten und renommiertesten Hochschulen Europas, hat eine heftige Debatte ausgelöst, nachdem das Singen von Versen aus dem Koran in das Programm der Eröffnungszeremonie des neuen akademischen Jahres aufgenommen worden war. Die Veranstaltung wurde von der Abgeordneten Darya Safai, die für ihre kritische Haltung gegenüber dem politischen Islam und ihren Einsatz für die Rechte von Frauen bekannt ist, scharf kritisiert.

Die Reaktion von Darya Safai

In einer in den sozialen Medien veröffentlichten Nachricht bezeichnete Darya Safai die Entscheidung der Universität als „kulturelle Selbstverleugnung“. Sie betonte, dass die KU Leuven eine Universität mit jahrhundertealten christlichen Wurzeln sei, und argumentierte, dass sie diese Identität nicht relativieren sollte, um inklusiver zu wirken.

„Für Muslime ist der Koran das Wort Allahs. Im selben Koran gibt es Verse, die Gewalt gegen Ungläubige vorschreiben oder legitimieren. Dadurch ist es problematisch, solche Texte als intellektuellen oder kulturellen Auftakt einer akademischen Zeremonie zu verwenden, als wären sie ein universelles Symbol der Toleranz“, schrieb Safai.

Sie fügte hinzu, dass eine Universität religiöse Texte nicht als Symbol der Inklusion darstellen sollte, wenn Teile davon den Prinzipien der individuellen Freiheit, der Gleichheit und der Menschenrechte widersprechen. „Toleranz bedeutet nicht, alles ohne Kritik zu akzeptieren. Inklusion bedeutet nicht, die eigene Identität auszulöschen. Und Respekt vor anderen Religionen bedeutet nicht, über Ideen zu schweigen, die grundlegend mit unseren Werten in Konflikt stehen“, fügte sie hinzu.

Die KU Leuven zwischen Tradition und Inklusion

Die KU Leuven ist eine Institution mit ausdrücklich katholischer Identität, hat aber in den vergangenen Jahrzehnten eine Politik der Offenheit gegenüber Studierenden und Lehrpersonal aller Konfessionen verfolgt. Veranstaltungen wie die Eröffnung des akademischen Jahres enthalten häufig unterschiedliche künstlerische und kulturelle Elemente, die die multikulturelle Zusammensetzung des Campus widerspiegeln sollen.

Dennoch wurde die Entscheidung, den Koran singen zu lassen, von einigen als Zeichen einer Relativierung der eigenen Tradition wahrgenommen. Darya Safai wies darauf hin, dass Europa über ein christliches Kulturerbe verfügt, das nicht aus Angst davor verborgen werden sollte, als nicht inklusiv genug zu gelten. „Wer die eigene Kultur ständig relativiert, schafft Raum dafür, dass andere sie verändern. Das ist kein Fortschritt. Das ist kulturelle Selbstverleugnung“, schloss sie.

Die breitere Debatte

Die Reaktion der Abgeordneten ist Teil einer breiteren Debatte in der belgischen und europäischen Gesellschaft über die Grenzen der Inklusion, die Rolle der Religion im öffentlichen Raum und die Art und Weise, wie Hochschulen ihre Identität definieren. Einerseits argumentieren Befürworter der Öffnung, dass Universitäten Räume für interkulturellen Dialog und gegenseitigen Respekt sein sollten. Andererseits warnen Kritiker, dass eine solche Offenheit zum Verlust von Identität und zur unkritischen Akzeptanz von Werten führen kann, die mit grundlegenden Rechten unvereinbar sind.

Bislang hat die Katholische Universität Löwen keine offizielle Stellungnahme zu diesen Kritikpunkten veröffentlicht.

Woman holding smartphones outside Belgian government building with Belgian and EU flags

Kommentar verfassen

Trending

Entdecke mehr von The Weekend Magazine

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen